Schlagwörter

Spontan fällt mir zum Thema Fotografie nichts Langweiligeres ein als die Verschlagwortung. Es ist der nahezu unkreativste Part und trägt irgendwie was bürokratisches in sich. Nicht einmal bei der Wortgebung sollte man großartig kreativ sein, sondern einfach in Worte fassen, was die Aufnahme zeigt. So richtig lernt man die Vergabe von Schlagwörtern eigentlich erst schätzen, wenn Jahre später hierüber noch gezielt Bilder aus dem Foto-Fundus auffindbar sind.

Ein Hinweis vorweg: Verschlagwortung bieten fast alle digitalen Bildverwaltungssysteme. Da ich allerdings nur Aperture so richtig kenne, beziehe ich mich hauptsächlich auf dessen Möglichkeiten. So oder ähnlich wird es aber sicher auch in anderen Programmen nachvollziehbar sein.

Hierarchische Wörter

Wenn die verwendete Bildverwaltung die Möglichkeit einer hierarchischen Struktur bietet, so sollte das intensiv genutzt werden.

Eine hierarchische Struktur macht zum einen natürlich das Schlagwortverzeichnis selbst übersichtlicher. In einem immer größer werdenden Wörterpool geht schnell der Überblick verloren, wenn sämtliche Einträge in einer flachen Liste angezeigt werden. Eine sinnvolle, nicht zu übertriebene Kategorisierung erweist sich somit als sinnvoll.

Ein größerer Vorteil besteht jedoch in der Tatsache, dass durch den hierarchischen Aufbau die Fotos mit weniger Aufwand umfassender beschrieben werden können. Weist man einer Aufnahme ein Schlagwort aus einer tieferen Ebene zu, so kann diese fortan ebenso über das „Elternschlagwort“ gefunden werden. Ein Foto welches zum Beispiel mit dem Schlagwort „Fussball“ aus der Gruppe „Sport“ belegt wurde, wird fortan auch über das Schlagwort „Sport“ gefunden, ohne das man dieses explizit zuweisen muss. Das klappt natürlich auch über mehrere Ebenen hinweg.

Schubladenkreationen

Was im Sozialverhalten eher negativ besetzt ist, darf bei der Schlagwortorganisation ausgelebt werden: Schubladendenken. In meinem Verzeichnis haben sich vier große Hauptschubladen gebildet, Meta-Schubladen sozusagen:

  • Die Schublade Motiv-Kategorien enthält Begriffe, die das abgebildete Motiv beschreiben. Dies ist die mit Abstand umfangreichste Schublade.
  • Foto-Eigenschaften enthält Begriffe, die den Bildtyp (z.B. Nahaufnahme, Weitwinkel, Experiment), die Ausrichtung oder auch die Farbigkeit beschreiben, also eher die technischen Merkmale einer Aufnahme.
  • Private Markierungen enthält überwiegend die Namen von Verwandten und Freunden, Eigennamen mit privatem Bezug (z.B. Firmenname) oder auch private Orte.
  • Orte enthält, allem GPS Hype zum Trotz, real existierende Orts- und Ländernamen, halt sämtliche geografischen Beschreibungen.

Auch wenn Aperture von Haus aus noch einige weitere Obergruppen, z.B. „Foto-Journalismus“, mitbringt, sollte man sich für den Privatgebrauch nicht mit zu speziellen Sortierungen herumplagen, sondern sehr „Meta“ bleiben. Letztlich verwirrt das sonst eher, als das es einen großen Nutzwert hat.

Vielleicht steht man vor dem ein oder anderen Wort etwas unentschlossen rum. „Freunde“ zum Beispiel könnte doch sowohl in dem Bereich „Privat“  als auch in den „Motiv-Kategorien“ unter dem Oberbegriff „Menschen“ stehen. Hier gilt grundsätzlich, lieber einmal zu viel als gar nicht. Wörter nehmen keinen nennenswerten Speicherplatz weg, und können in einer hierarchischen Struktur mehrfach abgelegt werden.

Sind alle Schlagwörter konsequent in die Hauptgruppen einsortiert, fallen im Übrigen auch eingeschlichene Schlagwörter auf der obersten Ebene besser auf, die z.B. durch bereits extern verschlagwortete Aufnahmen in die Bildverwaltung gelangen können.

Die weiteren Untergruppierungen ergeben sich im Laufe der Zeit. Ab und an schaue ich mal nach, wo sich hinzugekommene Schlagwörter in einer bestehenden oder auch neuen Gruppierung einordnen lassen. Dadurch, dass Aperture die Schlagwörter erst bei einem Export der Aufnahme in die IPTC Daten der Bilddatei selbst schreibt, kann man auch größere Umsortierungen vornehmen, ohne das ständig die Metadaten des Bildes hin und her geschrieben werden.

Das „richtige“ Wort

Ich will hier nicht den Hobbysprachwissenschaftler raushängen lassen, aber ein paar formale Gedanken sollte man vielleicht doch anstellen. Meines Wissens nach gibt es keine Regeln dafür, ob man nur bestimmte Wortarten verwenden sollte. Hauptwörter, Adjektive, Verben … alles, was das Bild beschreibt, ist erlaubt.

Bei Hauptwörtern stellt sich vorrangig die Frage „Singular oder Plural?“. Wenn die Singular-Form in einer Plural-Form enthalten ist, spricht nichts dagegen, gleich die Plural-Form zu erfassen. Die Sucheingabe „Hund“ ergibt somit auch beim Schlagwort „Hunde“ einen Treffer. Wohingegen die Sucheingabe „Hunde“ nicht mehr funktionieren würde, hätte man lediglich die Singular-Form erfasst. Dabei spielt es übrigens keine Rolle, ob das beschriebene Objekt, in diesem Fall der arme Hund, vielleicht nur ein mal auf der Aufnahme zu sehen ist.

Bei „Baum“ wird es schon etwas schwieriger. Hier würde sich eigentlich die Singular-Form empfehlen. Sollten wirklich mehrere Bäume auf dem Bild vorhandenen sein, kann ja zusätzlich das Schlagwort „Bäume“ vergeben werden. Aber natürlich auch nur dann, wenn man den „Wald“ vor lauter „Bäumen“ nicht sieht.

Ob man bei Verben nun unbedingt alle möglichen Zeitformen verwenden sollte, stelle ich allerdings in Frage. Der Präsens sollte in der Regel ausreichend sein.

Doppelbedeutungen kann man unter Umständen auch gerne, wie oben schon erwähnt, doppelt erfassen. Durch die hierarchische Struktur wird mit den entsprechenden Oberkategorien ausreichend Bedeutungsklarheit geschaffen. Wer weiss sonst schon, ob der Rund-„Funk“ oder die „Funk“-Musik gemeint ist?

Übrigens: nach IPTC Standard sind max. 64 Zeichen pro Stichwort erlaubt. Auch längere deutsche Wörter, wie z.B. „Unkameradschaftlichkeit“, „Dialektforschung“, oder „Heizölrückstoßabdämpfung“ sollten da locker rein passen. Und ein Wort wie „Donaudampfschifffahrtskapitäns…“ will ich in meinem Verzeichnis eigentlich gar nicht sehen.

Um unnötigen Frust vorzubeugen: man sollte nicht der Illusion erliegen, die Schlagwortliste würde irgendwann ein mal fertig sein. Sofern man nicht gleich den ganzen Duden in seiner Schlagwortliste stehen hat, wird es immer wieder Fotos geben, die sich mit dem jeweils aktuellen Schlagwortbestand nicht vollständig beschreiben lassen.

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3 Gedanken zu “Schlagwörter”

Marion Schmidt sagt:

Hallo Marc,
danke für deine Schlagworttipps. Ich werde meine Schlagwortliste mal ein bisschen umstrukturieren. Ich finde die Idee mit den Meta-Schubladen sehr gut.
Gruß
Marion

Stefan sagt:

Wie heisst das Plugin rechts ? Das will ich auch!

Marc sagt:

Wenn Du die Darstellung der flickr Fotos meinst dann ist das „Quick Flickr Widget“.
Gruß Pixel